Wie schon in der ersten Ausgabe der „RFA aktuell“ werden an dieser Stelle wieder Arbeiten aus der internationalen rheumatologischen Literatur zum Thema „Nurses (Fachassistentinnen) in der rheumatologischen Versorgung“ vorgestellt.
In dieser retrospektiven dänischen Kohorten-Studie wurden bei Patienten mit Polymyalgia rheumatica (PMR) über zwei Jahre der Glukokortikoid (GK)-Verbrauch bei strukturierten Verlaufskontrollen durch Nurses (n=107) und Standard of care-Überwachung durch Rheumatologen (n=68) miteinander verglichen.
Nach einem Jahr nahmen noch 64 % der Nurse-Gruppe und 71 % der Standard-Gruppe GK ein, in der Nurse-Gruppe jedoch mit durchschnittlich 1,25 mg signifikant weniger als in der Standard-Gruppe mit 3,75 mg. Nach zwei Jahren lag auch der Anteil der Patienten, die noch GK einnahmen, mit 18 % signifikant niedriger (vs. 41 %). Die Rate an neuen Schüben und der Anteil der Patienten mit Methotrexat-Bedarf waren nicht unterschiedlich. Die Anzahl der Kontakte war allerdings in der Nurse-Gruppe mit 17 vs. 12,5 signifikant höher.
Zusammengefasst war die GK-Einsparung in der Nurse-Gruppe also erfolgreicher, allerdings um den Preis häufigerer Kontrolltermine.
Ebenfalls in Dänemark wurde diese randomisiert-kontrollierte Studie bei 62 Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) durchgeführt, verglichen wurden über sechs Wochen kognitive Verhaltenstherapie in Gruppen, durchgeführt von geschulten Nurses, mit Standard of Care. Der primäre Endpunkt, eine Verbesserung der Schlafqualität bei diesen Patienten mit Schlafstörung, wurde verfehlt, die Therapie führte jedoch zur signifikanten Besserung diverser sekundärer Endpunkte wie RAID, Fatigue und depressiver Symptome. Insgesamt hatte die Nurse-basierte Behandlung also für die Patienten eine Reihe positiver Ergebnisse.
In dieser einjährigen kanadischen Untersuchung wurden bei 244 RA-Patienten die Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen und die verursachten Gesundheitskosten bei Betreuung durch Nurses und durch den Rheumatologen verglichen. Benötigte Arztvisiten beim Hausarzt, Internisten und Orthopäden unterschieden sich nicht, stationäre Aufenthalte waren in der Nurse-basierten Gruppe signifikant seltener. Durchschnittliche Gesundheitskosten waren in beiden Gruppen gleich, Medikamentenkosten hingegen bei den Rheumatologen mit mehr Biologika-Verordnungen signifikant höher. Alles in allem war die Betreuung durch Nurses somit kosteneffektiver, allerdings fehlen vorerst Daten zum Outcome der Patienten.
PROF. DR. KLAUS KRÜGER
Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie
Praxiszentrum St. Bonifatius, St.-Bonifatius-Str. 5, 81541 München