Prof. Klaus Krüger stellt aus der internationalen rheumatologischen Literatur wieder einige relevante Studien zum Thema „Nurses (Fachassistentinnen) in der rheumatologischen Versorgung“ vor.
Die Bedeutung des Krankheits-Verständnisses (Literacy) seitens des Patienten auf den Outcome wurde bisher selten untersucht, insofern kam einer holländischen Studie mit dieser Fragestellung eine ganz besondere Bedeutung zu. Bei 108 Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) zeigte sich, dass eine gute Kompetenz in einem durchschnittlichen DAS28-Score von 2,4 resultierte, eine schlechte in einem von 3,1. Eine starke Einschränkung der Kompetenz führte häufiger zur Verschreibung eines Kortikoids, eine gute Kompetenz in 50 % zur Verschreibung eines bDMARD.1
Wie kann „Literacy“ verbessert werden? Hier könnte eine neue Aufgabe auf gut geschulte Fachassistentinnen zukommen. Ein englischer Review weist zum Beispiel darauf hin, dass Nurses schwerpunktmäßig die Patienten bezüglich ihrer medikamentösen Therapie beraten bzw. "erziehen" sollten, wobei allerdings hierfür eine spezielle Schulung erforderlich ist.2 In Deutschland, wo Patientenschulung generell stark defizitär ist – angeboten wird sie im Wesentlichen in Kliniken und von der Rheumaliga, aber nur punktuell in Praxen –, wäre diese Aufgabe besonders lohnend. Allerdings wird bisher eine solche Schulung nicht konsequent angeboten, und auch hier wäre die Frage der Finanzierung offen.
Hieran anknüpfend suchte ein systematischer Review nach Studien, die den Nutzen einer Nurse-basierten Patientenschulung bezüglich der Methotrexat (MTX)-Therapie zum Inhalt hatte. Insgesamt 14 Studien wurden gefunden, mit denen eindeutig belegt werden konnte, dass nach einer Schulung durch Nurses Patienten u. a. deutlich weniger Anwendungsfehler machten, eine bessere Adhärenz zeigten und insgesamt mit dieser Therapie zufriedener waren.3
Ein weiterer systematischer Literaturreview hatte Nurse-basierte Interventionen für Patienten zur Biologika-Therapie zum Inhalt, auch hier wurden immerhin 13 Studien mit mehr als 2.000 involvierten Patienten gefunden. Drei Interventions-Programme wurden identifiziert, die auch hier zu großer Patientenzufriedenheit, besserer Eigenverantwortlichkeit und Adhärenz führten.4
PROF. DR. KLAUS KRÜGER
Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie
Praxiszentrum St. Bonifatius, St.-Bonifatius-Str. 5, 81541 München