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BDRh-Kongress 24./25. April 2026

RFA-FORTBILDUNG BDRH-TAGUNG

Der diesjährige BDRh-Kongress fand vom 24. bis 25. April 2026 im Estrel Hotel Berlin statt. Ergänzt wurde er durch die integrierte 15. Fortbildungsveranstaltung des Fachverbands Rheumatologische Fachassistenz (RFA) am Freitagnachmittag. Unter strahlendem Sonnenschein bot die lichtdurchflutete, gläserne Tagungsstätte hervorragende Möglichkeiten zum fachlichen Austausch sowie zum Knüpfen und Vertiefen persönlicher Kontakte.

Das Programm für Ärzteschaft und Medizinische Assistenzberufe deckte breite Themenfelder ab: Von Digitalisierung, Praxismanagement und medizinischen Schwerpunkten bis zu aktuellen berufs- und versorgungspolitischen Fragen – darunter auch das DMP RA. Ulrike Erstling, 1. Vorsitzende, hat dazu die zentralen Informationen zusammengestellt.

WAS IST DAS DMP RA?

Das Disease-Management-Programm Rheuma-toide Arthritis (DMP RA) ist ein strukturiertes Versorgungskonzept mit dem Ziel, die Zusammenarbeit zwischen Hausärzten und Rheumatologen zu verbessern sowie eine leitliniengerechte, sektorenübergreifende Versorgung „aus einer Hand“ sicherzustellen.

Das DMP RA soll das „Window of Opportunity“ durch eine frühe Diagnose und einen schnellen Beginn der Methotrexat (MTX)-Therapie optimal nutzen, um frühzeitig eine Remission zu erreichen. Die strukturierte Ausgestaltung kann die Versorgung von RA-Patienten verbessern und standardisieren. Insbesondere die verpflichtende Vorstellung beim Rheumatologen innerhalb von drei Monaten stärkt die frühzeitige fachärztliche Einbindung. Zudem können Rheumatologen die koordinierende Rolle bei ihren eigenen Patienten übernehmen und Leistungen außerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung abrechnen, was durchaus wirtschaftlich interessant sein könnte. Eine zentrale Bedeutung haben dabei die RFAs. Sie übernehmen eine wichtige Schlüsselrolle und unterstützen Koordination, Patientenschulung sowie die Berücksichtigung von Begleit-erkrankungen und tragen so wesentlich zur Verbesserung der Versorgungsqualität bei.

Ein wichtiger Aspekt: Ein wesentlicher Baustein des DMP sind strukturierte Patientenschulungen. Sie unterstützen Betroffene, ihre chronische Erkrankung besser zu verstehen, den Umgang mit RA im Alltag zu bewältigen und die Eigenverantwortung im Krankheitsmanagement zu stärken. Jeder in das DMP RA-Programm eingeschlossene Patient soll Zugang zu einem strukturierten, evaluierten, zielgruppenspezifischen und publizierten Schulungsprogramm erhalten. Voraussetzung für die eigenständige Abrechnung dieser Schulungen ist eine vorherige Genehmigung durch die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) Westfalen-Lippe bzw. Schleswig-Holstein, den Regionen, die bislang das DMP RA anbieten können. Diese setzt den Nachweis der erfolgreichen Teilnahme am Train-the-Trainer-Seminar der Rheumatologischen Fortbildungsakademie voraus.

Und da das DMP RA weiter ausgebaut wird, sollten Sie sich frühzeitig auf den Start in Ihrer KV-Region vorbereiten, z. B. durch ein Train-the-Trainer-Seminar und die Planung der Abläufe.

BIG FIVE DER IMPFUNGEN

Die „Big Five“ der Impfungen in der Rheumatologie umfassen Herpes Zoster, Influenza, Respiratorische Synzytial-Virus (RSV), Pneumokokken und COVID-19. Besonders bei Patienten mit chronischen Grunderkrankungen, Autoimmunerkrankungen, höherem Lebensalter oder unter immunmodulierender beziehungsweise immunsuppressiver Therapie besteht ein erhöhtes Risiko für Infektionen und schwere Krankheitsverläufe.

Ein Herpes Zoster kann mit erheblichen Komplikationen verbunden sein. Dazu zählen insbesondere Post-Zoster-Neuralgien, Sehstörungen bis hin zum Sehverlust, Hörverlust sowie ein erhöhtes Risiko für Myokardinfarkt, Schlaganfall und Demenz. Die Impfung mit dem adjuvantierten Subunit-Totimpfstoff wird daher für alle Personen ab dem 60. Lebensjahr empfohlen. Zudem empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) seit dem Beschluss vom November 2025 die Herpes Zoster-Impfung auch für Personen ab 18 Jahren, die aufgrund einer erhöhten gesundheitlichen Gefährdung ein gesteigertes Erkrankungsrisiko haben. Das Schubrisiko bei SLE-Patienten ist nach der Zoster-Impfung nicht erhöht.

Im Juli 2025 hat die STIKO ihre Empfehlung zur saisonalen Influenza-Impfung erweitert. Hintergrund ist die weltweite Ausbreitung hochpathogener H5Nx-Viren. Ziel dieser Maßnahme ist in erster Linie der Bevölkerungsschutz sowie die Reduktion von Doppelinfektionen mit saisonalen Influenzaviren, nicht der direkte Schutz vor aviären Influenzaviren. Die erweiterte Indikations- und berufliche Empfehlung betrifft insbesondere Personen, die privat oder beruflich regelmäßig, häufig und direkt Kontakt zu Tieren wie Schweinen, Geflügel oder Wildvögeln haben. Darüber hinaus hat der G-BA die aktualisierte STIKO-Empfehlung in die Schutzimpfungs-Richtlinie übernommen. Laut STIKO sind zwei wirkverstärkte Impfstofftypen besser geeignet als Standardimpfstoffe, um Influenza-Erkrankungen und mögliche Komplikationen zu verhindern. Daher können Personen ab dem 60. Lebensjahr bevorzugt mit diesen wirkverstärkten Influenza-Impfstoffen geimpft werden. Unter MTX wird nach der Influenza-Impfung eine ein- bis zweiwöchige Therapiepause empfohlen, um die Impfantwort zu verbessern, ohne das Risiko eines Krankheitsschubs zu erhöhen.

RSV ist ein weltweit verbreitetes Virus, das durch Tröpfchen- und Kontaktinfektion übertragen wird. Es verursacht akute Infektionen der oberen und unteren Atemwege und ist insbesondere für Säuglinge, Frühgeborene sowie ältere Erwachsene ab 75 Jahren und Personen mit Vorerkrankungen von besonderer Bedeutung. Die Krankheitszeichen einer RSV-Infektion ähneln in den meisten Fällen einer gewöhnlichen Erkältung. Vor allem bei Risikogruppen kann es jedoch zu schweren Verläufen mit Bronchitis oder Pneumonie kommen. Seit 2024 gibt es Impfstoffe für ältere Erwachsene sowie Antikörperpräparate bzw. Impfungen für Schwangere zum Schutz von Neugeborenen vor schweren RSV-Erkrankungen.

Die STIKO hat auch ihre Empfehlung zur Pneumokokken-Indikationsimpfung für Kinder und Jugendliche im Alter von 2 bis 17 Jahren mit erhöhtem Risiko für schwere Pneumokokken-Erkrankungen angepasst. Empfohlen wird nun die Impfung mit dem 20-valenten Pneumokokken-Konjugat-impfstoff (PCV20). Ziel der aktualisierten Empfehlung ist ein verbesserter Schutz vor invasiven Pneumokokken-Erkrankungen bei Risikopatientinnen und -patienten, um schwere Krankheitsverläufe und Komplikationen wirksam zu verhindern.

Für gesunde Erwachsene im Alter von 18 bis 59 Jahren gilt laut STIKO eine Basisimmunität gegen COVID-19 als ausreichend. Diese besteht aus insgesamt drei Antigenkontakten („3 Hits“), wobei mindestens einer davon durch eine Impfung erfolgt sein sollte. Die weiteren Antigenkontakte können entweder durch zusätzliche Impfungen oder durchgemachte SARS-CoV-2-Infektionen erfolgt sein. Alle anderen Personengruppen, insbesondere Menschen über 60 Jahre, Personen mit relevanten Grunderkrankungen oder erhöhtem beruflichem Expositionsrisiko wird zusätzlich zur Basisimmunität eine jährliche Auffrischungsimpfung mit einem an die Virusvarianten angepassten mRNA- oder proteinbasierten Impfstoff im Herbst empfohlen. Besondere Ausnahmen bestehen z. B. bei Personen mit schwerer Immunsuppression. Hier können Titerkontrollen sowie zusätzliche Wiederholungsimpfungen erforderlich sein. Darüber hinaus kann auch die Impfung von Kontaktpersonen von Risikopatientinnen und -patienten sinnvoll sein, um einen indirekten Schutz zu gewährleisten.

SUBSTANZSPEZIFISCHE PERIOPERATIVE EMPFEHLUNGEN BEI DMARD-THERAPIE

Das perioperative Management weist weiterhin eine dürftige Datenlage auf. Es existieren kaum randomisiert-kontrollierte Studien, und nur wenige Kohortenstudien unter vergleichbaren Bedingungen. Zudem erschweren zahlreiche Einflussfaktoren die Studienkonzeption und -auswertung, z. B. die aktuelle Krankheitsaktivität, Krankheitsdauer und Krankheitsstadium, Begleiterkrankungen, Lebensstilfaktoren, Alter, Geschlecht sowie der Body-Mass-Index. In der klinischen Praxis beruhen Entscheidungen daher häufig auf individuellen Erfahrungen und nicht ausschließlich auf einer robusten evidenzbasierten Datenlage.

Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie e.V. (DGRh) hat ihre Empfehlungen zur perioperativen Therapie bei Patientinnen und Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen im Jahr 2021 aktualisiert und zuletzt 2024 überprüft. Ziel der Empfehlungen ist die Abwägung zwischen postoperativem Infektionsrisiko und Krankheitsschub bei Therapieunterbrechung. Sie enthalten allgemeine und wirkstoffspezifische Ratschläge zum perioperativen Umgang mit antirheumatischen Therapien. Hierzu zählen csDMARDs, bDMARDs und tsDMARDs. Es empfiehlt sich, die Veröffentlichung durchzulesen, sie ist gut aufbereitet und unterstützt den Arbeitsalltag in der täglichen Patientenversorgung.

Kurz zusammen gefasst hier die wichtigsten Hinweise: Perioperativ sollte eine stabile Glukokortikoid-Dosierung beibehalten werden. Eine Unterbrechung von MTX ist in der Regel nicht erforderlich. Leflunomid sollte vor größeren operativen Eingriffen für etwa 4–5 Tage ausgewaschen werden. Bei bDMARDs, außer Rituximab, wird empfohlen, den operativen Eingriff nach einem regulären Dosierungsintervall durchzuführen. Für Rituximab gilt, dass operative Eingriffe idealerweise etwa 4 Monate nach der letzten Infusion erfolgen und spätestens 4 Wochen vor der nächsten Gabe geplant werden sollten. Januskinase-Inhibitoren sollten 3–4 Tage vor dem Eingriff pausiert werden. Grundsätzlich gilt: In unklaren Fällen sollte das Vorgehen individuell und interdisziplinär zwischen Rheumatologie, Operateur und ggf. Anästhesie abgestimmt werden.

QM: NOTWENDIGES ÜBEL ODER HILFREICHE UNTERSTÜTZUNG?

Zum Qualitätsmanagement (QM) referierte eine erfahrene MFA, die seit 18 Jahren fachlich zu Praxis- und Qualitätsmanagement schult. Lesen Sie nachfolgend als Zusammenfassung die Botschaften und beantworten Sie sich die Eingangsfrage.

QM ist kein reines System oder ein Ordner mit Vorgaben, sondern gelebte Teamarbeit im Praxisalltag. Qualität entsteht nicht allein durch Vorschriften, sondern durch ein funktionierendes Team, in dem jeder Einzelne Verantwortung übernimmt. Ohne Teamarbeit gibt es kein wirksames QM. QM ist das, was täglich in der Praxis passiert – in allen Abläufen von Anmeldung, Behandlung und Telefon über Labor bis hin zur Organisation im Hintergrund und unmittelbar in der Patientenbetreuung. Ziel ist es, Struktur statt Chaos zu schaffen. Jeder im Team beeinflusst die Qualität und die Zusammenarbeit entscheidet über den Erfolg. Kommunikation ist dabei der zentrale Schlüssel. Qualität in der Arztpraxis bedeutet Patientenorientierung, optimale Behandlungsergebnisse, die Vermeidung von Fehlern sowie sichere und strukturierte Abläufe. Der Fokus liegt auf dem Nutzen für die Patientinnen und Patienten sowie auf der Sicherheit für alle Beteiligten. Ein gut gelebtes QM bringt im Alltag viele Vorteile: weniger Stress im Team, weniger Fehler, klare
Abläufe, mehr Sicherheit, schnellere Einarbeitung neuer Mitarbeitender, zufriedenere Patientinnen und Patienten, bessere Wirtschaftlichkeit und weniger Diskussionen im Arbeitsalltag. Natürlich kostet die Implementierung Zeit sowie Muße und eine kontinuierliche Weiterentwicklung, die das Aufgabenfeld administrativ dauerhaft erweitert.

Das war eine kurze Zusammenfassung von vier praxisrelevanten Themen, herausgegriffen aus den gebotenen Fachvorträgen. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen zu kommenden Veranstaltungen. 

Ihre
Ulrike Erstling (1. Vorsitzende)
Patricia Steffens-Korbanka (2. Vorsitzende)

Ulrike Erstling (1. Vorsitzende) rechts
Patricia Steffens-Korbanka (2. Vorsitzende) links

Fachverband Rheumatologische
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