Planned behavior, auf Deutsch überlegtes Handeln, soll bei Patientinnen und Patienten u. a. die Einstellung gegenüber der Krankheit sowie letztlich zur besseren Krankheitsbewältigung führende Verhaltenskontrolle bewirken, hierfür wurden im Lauf der Zeit zahlreiche Schulungsprogramm entwickelt. Speziell bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen erscheint vorstellbar, dass durch Anwendung solcher Programme Patient Reported Outcome (PRO)-Parameter positiv beeinflusst werden und eventuell auch eine Reduzierung des Medikamentenbedarfs erreichbar ist.
Das wird durch eine türkische Studie bestätigt, bei der „Nurses“ ein solches Programm bei 90 Patientinnen und Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) – je 45 in der Anwendungs- und Kontrollgruppe – unter randomisiert-kontrollierten Bedingungen anwendeten. Das Ergebnis war erstaunlich: Nach drei Monaten Schulung, ergänzt durch telefonische Beratung bzw. Kontrollen, konnten in der Interventionsgruppe (bei gleichbleibender RA-Medikation) Schmerz um 11,5 Punkte, Fatigue um 19,6 Punkte und der Funktionsstatus im HAQ um 0,82 Punkte verbessert werden, jeweils signifikante Ergebnisse. Daneben verbesserten sich die Adhärenz zur medikamentösen Therapie und der allgemeiner Gesundheitsstatus. Es erscheint vorstellbar, dass eine ähnliche Studie in Deutschland in ausgewählten Zentren von Rheumatologischer Fachassistenz durchgeführt wird und bei ähnlichen Ergebnissen die Akzeptanz und Bedeutung von deren Tätigkeit weiter verstärkt, was sich letztlich auch auf die noch unbefriedigende Vergütungs-situation auswirken könnte. (1)
Eine kleinere, aber nicht minder interessante Studie wurde in England geplant. 19 RA-Patienten bzw. -Patientinnen aus zwei Zentren waren durchwegs sehr unzufrieden mit der vorab erhaltenen Information über eine beginnende Methotrexat (MTX)-Therapie. Für diese wurde Nurse-basiert ein einfach verständliches audio-visuelles Programm mit Möglichkeit zu Nachfragen auf der Basis vorheriger Interviews mit MTX-Patienten entwickelt, welches auch geeignet war, individuelle Besonderheiten zu adressieren. Drei zentrale Problembereiche wurden identifiziert: 1) Grund der Therapie und deren Ziele, 2) Risiken für unerwünschte Wirkungen und Gefahren sowie 3) Entwicklung von leicht verständlichen Informationen – auch zu allgemeinen Angaben wie Wirkungseintritt und Besonderheiten der Dosierung. Die Zeit für die Aufklärung bezüglich der einzelnen Medikamente ist auch hierzulande stark begrenzt, oft genug wird im Wesentlichen auf den Patientenbogen der DGRh verwiesen, und spätere Nachfragen gehen unter – Behandlungsfehler oder sogar schlechte Adhärenz (die bei MTX rund 30 % der damit Behandelten betrifft) sind die Folge. Die Entwicklung und Anwendung eines strukturiertes Informationsprogrammes mit Möglichkeit zur anschließenden Interaktion mit der Fachassistenz könnte auch in Deutschland eine erhebliche Verbesserung bewirken, vor allem (aber nicht ausschließlich) MTX betreffend. (2)
Eine lesenswerte Übersicht beschreibt die Rolle des nicht-ärztlichen Gesundheitspersonals bei der Betreuung von Patienten mit axialer Spondyloarthritis (axSpA) und zeigt eine Reihe erheblicher Defizite auf, die durch den Einsatz dieser Ressourcen verringert werden können. Thematisiert für Einsatzbereiche und besonderen Bedarf wurden u. a. die Motivation und praktische Hilfe für nicht-medikamentöse Therapien, die Erklärung von Laborbefunden und Notwendigkeit von Kontrollterminen, mögliche Differenzialdiagnosen, die Interpretation des Behandlungsplans und Einzelheiten zur medikamentösen Therapie und ihrer Risiken. Die Zeitersparnis für die ärztliche Visite und intensivere emotionale Bindung mit Thematisierung von individuellen Probleme und Verständnis dafür sind weitere wichtige erkennbare Ziele. Zusammenfassend ist klar, dass nicht nur von RA, sondern auch von axSpA Betroffene auf vielfältige Weise von der Arbeit der Fachassistenz profitieren können, auch wenn es von der Altersstruktur der Patienten her gewisse Unterschiede gibt. (3)