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Interview

Die Arbeitnehmerin in der heutigen Arbeitswelt

Christiane Funken ist Soziologie-Professorin i. R. der Technischen Universität Berlin. Neben der Kommunikations- und Mediensoziologe zählt die Geschlechter- und Organisationsforschung zu ihren Forschungsschwerpunkten. Wir befragten sie zur Rolle der Frau auf dem heutigen Arbeitsmarkt.

FRAU PROF. FUNKEN, WELCHE BERUFLICHEN CHANCEN HABEN FRAUEN, DIE NOCH KEINE KINDER HABEN UND FRAUEN MIT KINDERN, DIE GERNE ARBEITEN WÜRDEN?

Die Chancen für Frauen auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland waren nie besser als heute. Dies gilt besonders für den medizinischen Sektor, denn: In allen Berufsfeldern des Gesundheitswesens verzeichnen wir einen eklatanten Fachkräftemangel!

Die höhere Erwerbstätigkeit von Frauen gilt nicht nur als eine der wichtigsten Ressourcen im Kampf gegen den Mangel an Fachkräften und fehlendem Führungspersonal. Mit ihren unterschiedlichen Perspektiven können Frauen auch maßgeblich dazu beitragen, die Patientenversorgung und die Arbeitskultur zu verbessern.

WER MUSS SICH ÄNDERN, DER ARBEITGEBER ODER DIE FRAU?

Das Gesundheits- und Sozialwesen ist die Branche mit dem höchsten Anteil an Frauen in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung. Viele von ihnen arbeiten jedoch im Teilzeitsektor, da die Arbeitszeiten bzw. -schichten unzumutbar sind, ebenso die permanente Überlastung aufgrund von Personalmangel. Diese enorme Belastung trifft insbesondere jene Frauen, die nach traditionellem (heute zwar brüchigen, aber allzu oft noch gültigen) Muster die Kindererziehung und ggf. auch die Pflege gebrechlicher Eltern übernehmen. Erschwerend kommt hinzu, dass Mütter in Bewerbungsverfahren häufig benachteiligt sind und seltener zu Vorstellungsgesprächen eingeladen werden als Frauen ohne Kinder.

Hier müssen Arbeitgeber dringend ihre Haltung und ihre Einstellungskriterien ändern, um engagierte und kompetente Frauen gewinnen und binden zu können. Festzuhalten bleibt: Frauen sind heutzutage exzellent ausgebildet und hoch motiviert für ein erfolgreiches Berufsleben. Mit Selbstbewusstsein wollen sie ihre Kompetenzen und Fähigkeiten einbringen, ohne allerdings auf ein erfüllendes Familienleben zu verzichten!

WELCHE MOTIVIERENDEN ARGUMENTE HABEN SIE FÜR FRAUEN, DIE SICH IN DER ARBEITSWELT BEWÄHREN WOLLEN?

Die erwähnte Doppelbelastung vieler Frauen liegt zumeist auch an veralteten Rollenbildern, die häufig zu einer ungleichen Verteilung von Haus- und Care-Arbeit führt. Dies sollten Frauen frühzeitig bei ihrer Partnerwahl bedenken und konkret zur Sprache bringen. Eine gemeinsame und verbindliche Berufs- und Lebensplanung ist gar nicht so schwierig, denn die jüngeren Männer wollen – anders als noch ihre eigenen Väter – eine aktive Vaterrolle übernehmen.

Frauen wiederum wollen nicht nur Mütter sein. Hier haben sich glücklicherweise die Lebensvorstellungen beider Geschlechter sehr angenähert und müssen jetzt nur konsequent im täglichen Familien- und Berufsleben umgesetzt werden. Außerdem wollen Frauen – und dies ist sehr wichtig – finanziell unabhängig sein, um sich vor der „typisch weiblichen“ Altersarmut aufgrund zu geringer Renten zu schützen.

FRAU PROF. FUNKEN, HABEN SIE VIELEN DANK FÜR DAS GESPRÄCH.

PROF. DR. CHRISTIANE FUNKEN

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10715 Berlin

Rechtliches

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