Unverändert gefährdet der Mangel an Rheumatologinnen und Rheumatologen die Patientenversorgung aufgrund einer verzögerten Diagnose und Therapieeinleitung. Im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung wurden unter anderem Lösungsansätze vorgestellt, wie die Delegation an die Rheumatologische Fachassistenz (RFA) in ganz unterschiedlichen Praxissettings gestaltet werden kann.
Am RehaKlinikum Bad Säckingen, wo der Weg eines ganzheitlichen Versorgungszyklus in der Rheumatologie eingeschlagen wurde, lag die Herausforderung in einer unzureichenden rheumatologischen Facharzt-versorgung, fragmentierten Strukturen (ambulant/stationär), fehlender Kontinuität zwischen Akutversorgung und Rehabilitation sowie der Erfordernis, eine berufsorientierten Reha (MBOR) anzubieten.
Wie Dr. Daniel Schlittenhardt und die RFA Janine Räder ausführten, war die Lösung der Aufbau einer nahtlosen Versorgungskette mit einem Team an einem Standort, der eine KV-Ermächtigungsambulanz mit ambulanter rheumatologischer Versorgung mit schneller Diagnostik und Therapieeinleitung direkt an eine Fachklinik für Rehabilitation anbindet, die eine stationäre und ambulante Reha mit MBOR-Schwerpunkt, Prävention und digitale Nachsorge bietet. Die RFA betreut in diesem Modell vorrangig stabil eingestellte Patientinnen und Patienten. Dies beinhaltet eine 3-monatliche RFA-Visite zur Laborkontrolle, Zwischenanamnese, der Ausstellung von Folgerezepten/-verordnungen von Heilmitteln und ein Assessment. Sie übernimmt Zwischenvisiten (inkl. Monitoring nach medikamentöser Neueinstellung, akuten Beschwerden), erläutert in patientenzentrierter Ansprache das Treat-to-target-Prinzip und tauscht sich parallel mit Ärztin oder Arzt bezüglich erhobener Untersuchungsbefunde und der Therapieführung aus. Dadurch werden mehr ärztliche Kapazitäten für komplexe Fälle frei.
Patientinnen und Patienten werden durch RFA auch beim Übergang von der Ambulanz zur Rehaklinik begleitet, z. B. bei der Reha-Beantragung („Reha vor Rente“). Ist diese erfolgreich durchlaufen, erfolgt danach eine kontinuierliche Weiterbetreuung in der Ambulanz, wo die RFA die Therapieschulung und das Monitoring übernimmt.
Ihre Erfahrungen mit der RFA-Visite am MVZ Klinikum Straubing schilderte das nächste Arzt/RFA-Tandem, Dr. Daniel Vagedes und Claudia Dietl. In Anbetracht stetig steigender Fallzahlen – auch in Niederbayern besteht eine große rheumatologische Versorgungslücke – war deren Einführung praktisch alternativlos. Von Beginn an war klar, dass für eine eigene RFA-Sprechstunde die RFA/MFA hierfür freigestellt werden muss (andere Tätigkeiten wie Anmeldung oder Labor nur in Ausnahme-fällen), es eine „echte Delegation“ sein soll und ein eigenes RFA-Sprechzimmer inkl. Hard- und Software benötigt wird. Der RFA-Kontakt – dies ist bei der Terminplanung zu berücksichtigen – läuft parallel zur ärztlichen Sprechstunde. Um die Qualitätskriterien zu erfüllen, erfolgte jenseits der zertifizierten RFA/RFA plus-Ausbildung eine interne, an die Erfordernisse der Praxis orientierte Weiterbildung. Hierzu gehören standardisierte Anamnese-bögen bzw. „Notizzettel“, aus denen ein Kurzarztbrief generiert wird. Jede Patientin/jeder Patient muss (zumindest derzeit) nach RFA-„Erst-sichtung“ noch vom behandelnden Rheumatologen gesehen werden.
Zum Aufgabengebiet der RFA-Delegation gehören Kontrollpatientinnen und -patienten mit „klassischen Krankheitsbildern“ wie der rheumatoiden Arthritis, Psoriasis-Arthritis und axialen Spondylarthritis (Funktionsfragebögen und Untersuchungen, wie z. B. FFbH, SDAI/CDAI, DAPSA oder ASDAS), die möglichst bereits stabil medikamentös eingestellt sind – nur selten kommen auch solche mit Kollagenosen in Frage. Erstvorstellungen, Privat- und „schwierige“ Patienten sowie schwere Krankheitsverläufe verbleiben beim Rheumatologen. Ende 2020 2x wöchentlich mit kleinen Patientenzahlen gestartet findet die die RFA-Visite (einschließlich Patientenschulung) nun täglich zu den Sprechstundenzeiten statt, jährlich betrifft dies inzwischen über 2.300 Patientinnen und Patienten.
Über eine besonders lange Erfahrung verfügt die „rheumapraxis an der hase“ in Osnabrück – entsprechend ist hier das Aufgabengebiet der RFAs durchaus weiter gefasst.
Wie Dr. Johannes Hornig, Osnabrück, und Patricia Steffens-Korbanka, zweite Vorsitzende des Fachverbands Rheumatologische Fachassistenz, darlegten, werden hier z. B. auch Notfall- und Neupatientinnen bzw. -patienten von der RFA „erstversorgt“. Bei Notfallkontakten übernimmt die RFA z. T. die Briefanlage, aktualisiert die Medikation/Therapieziele, führt eine Notfallanamnese (z. T. mittels KI-basierter Spracherkennung, kurz: AI Scribe) und klinische Untersuchung (ggf. auch Sonografie) durch und bereitet bei Bedarf eine Punktion vor. Bei Neupatientinnen bzw. -patienten übernimmt die RFA die Erstanamnese mittels KI Scribe, klinische Untersuchung (ggf. Sonografie) und Sichtung bzw. Anforderung von Vorbefunden. Ärztin oder Arzt werden bei Bedarf hinzugezogen, ansonsten erfolgt (je nach Dringlichkeit) erst ca. 7–14 Tage nach dem RFA der eigentliche Arztkontakt. Zusätzlich wurde nach entsprechender Vorauswahl ärztlicherseits auch eine RFA-Speed-Sprechstunde für „einfache Fälle“ etabliert, die es erlaubt (4 RFAs, 1 Ärztin/Arzt) in 5 Stunden ca. 50 Patientinnen bzw. Patienten zu sehen. Die RFA-Sprechstunden bieten bei hoher Akzeptanz der Patientinnen und Patienten sowie des Praxisteams ärztlicherseits eine deutliche Entlastung und Effizienzsteigerung – so das Fazit von Hornig und Steffens-Korbanka.