Startseite RFA Praxis Die Rolle der Pflege in der Arthritis-Versorgung in Dänemark

Ein Blick über den Tellerrand

Die Rolle der Pflege in der Arthritis-Versorgung in Dänemark

Im Rahmen des Educational Visit Grant for Health Professionals in Rheumatology der EULAR durfte ich im März 2025 eine einwöchige Hospitation im Copenhagen Center for Arthritis Research (COPECARE) im Rigshospitalet in Dänemark absolvieren.

Ziel des EULAR-Programmes ist es, Mitarbeitenden in Gesundheitsberufen im Bereich der Rheumatologie einen internationalen fachlichen Austausch zu ermöglichen. Genau das ist mir gelungen.

Als Pflegefachperson im Bereich der akutstationären Rheumatologie habe ich neben dem Abschluss als Rheumatologische Fachassistenz (RFA) auch ein Masterstudium absolviert. Seit 2024 bin ich als Advanced Practice Nurse (APN) für Menschen mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) tätig. Dort begleite und berate ich insbesondere Patientinnen und Patienten mit seltenen rheumatischen Erkrankungen und hochkomplexen Versorgungssituationen. 

Während meiner Hospitation im Rigshospitalet und COPECARE konnte ich die dortige Forschung und ambulante Patientenversorgung kennenlernen, die sich auf Menschen mit Arthritis (Rheumatoide Arthritis, Psoriasis-Arthritis, Spondyloarthritis) konzentriert. Das Tätigkeitsfeld unterscheidet sich teilweise von meinem aktuellen Arbeitsbereich, da diese Erkrankungen im stationären Kontext nur noch selten präsent sind. Dennoch war es enorm bereichernd zu sehen, wie Theorie/Praxis-Transfer wirkungsvoll gelebt werden kann. In der Abteilung gibt es vier Professorinnen und Professoren, darunter eine pflegewissenschaftliche Professorin, die weiterhin in der direkten Patientenversorgung arbeiten. Mir wurden die bei COPECARE laufenden Forschungsprojekte vorgestellt, die insbesondere auf das Assessment und die Förderung von Selbstmanagementkompetenzen abzielen. Durch ein hohes Maß der Digitalisierung sowie die enge Vernetzung von Forschungszentrum und der Outpatient Clinic („Klinik-Ambulanz“) wird nicht nur der Forschungsprozess erleichtert, sondern auch die rheumatologische Versorgung unmittelbar positiv beeinflusst.

Abschied vom COPECARE-Team (von links nach rechts: Kasper Yde Jensen, Tanja Thomsen, Prof. Bente Appel Espensen,
Kendra Rohleder, Luise Holberg Lindgren, Signe Abild)

Aufgrund des sehr klinischen Fokus meiner eigenen Tätigkeit, interessierte mich neben dem Austausch über Forschung auch die tatsächliche Patientenversorgung. Das Berufsbild der Medizinischen Fachangestellten ist in Dänemark nicht bekannt. In der Outpatient Clinic waren ausschließlich Pflegefachpersonen – häufig mit abgeschlossenem Studium – tätig. Durch die Akademisierung der Pflegeausbildung in Dänemark vor einigen Jahren entstanden neue Positionen. So sind dort auch sogenannte Clinical Nurse Specialists mit Masterabschluss in der Patientenversorgung involviert. In den Behandlungspfaden zu den verschiedenen Erkrankungen waren die konkreten Aufgaben der Pflegepersonen festgelegt. Nach Diagnose einer rheumatoiden Arthritis sind beispielsweise feste Termine mit den Pflegenden vorgesehen. In diesen Terminen geht es neben der Information über Therapie und Nebenwirkungen auch um Selbstmanagementkompetenzen wie den Umgang mit der digitalen Patientenakte oder der Symptombeobachtung.

Nicht nur ich konnte während meines Auslandaufenthalts viel lernen – auch die Mitarbeitenden in Kopenhagen profitierten von meinem Besuch. Erweiterte Rollen der Pflege in der akutstationären Versorgung sind auch in Dänemark bisher selten. Der Austausch über die Selbstmanagementförderung in den verschiedenen Versorgungsbereichen und die Diskussion über die Möglichkeiten und Grenzen von Assessments, waren für alle Beteiligten aufschlussreich.

Angesichts des zunehmenden Mangels an Fachpersonal und Rheumatologinnen und Rheumatologen in Dänemark wie auch in Deutschland wird deutlich, wie wichtig neue Versorgungsprozesse sind, die das Selbstmanagement von Patientinnen und Patienten stärken. Die Hospitation hat gezeigt, welches Potenzial in erweiterten Handlungsfeldern für Health Professionals liegt – Potenzial, das wir dringend nutzen sollten.

KENDRA ROHLEDER, M. SC.
Advanced Practice
Nurse (APN)
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover

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