Der Journal-Club dieser Ausgabe beschäftigt sich wieder mit den potenziellen Vorteilen einer Nurse-unterstützten Betreuung. Mehrere Studien zeigen, dass Study Nurses bzw. RFAs nicht nur einen Zusatznutzen für Ärzte und Patienten bedeuten, sondern dass eine solche zusätzliche Betreuung sich sogar durch eine Kostenersparnis auszeichnen kann.
Beim EULAR-Kongress in Wien waren wie immer in den letzten Jahren auch die Assistenzberufe im Programm intensiv vertreten. Einen herausragenden Beitrag lieferten dänischen Kolleginnen. (1) Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass Gichtpatienten bekanntermaßen erhebliche Adhärenz-Probleme bei der Einnahme ihrer harnsäuresenkenden Medikation aufweisen, wurden in einer Real-Life-Kohortenstudie über zwei Jahre eine Standard-of-Care-Betreuung und intensivierte Betreuung durch Nurses bei 286 Patienten mit gesicherter Gicht verglichen. Nurses übernahmen in ihrer Gruppe die Beratung, achteten auf Laborüberwachung und gaben schriftliche Instruktionen. Der Mehraufwand hielt sich in Grenzen, er umfasste insgesamt zwei zusätzliche Visiten und drei zusätzliche Telefon-Kontakte. Das Ergebnis war verblüffend gut: Die Adhärenz für die harnsäuresenkende Therapie lag in der Nursesgruppe bei 98 %, bei „normaler“ Betreuung (Usual Care) bei 73 %. Der erwünschte Harnsäure-Zielwert (in der Regel <6 mg/dl) wurde in der Nurses-Gruppe bei 83 % der Messungen vs. 44 % in der anderen Gruppe erreicht. Vor allem aber lag die Mortalität bei 4 % vs. 23 %. Letztlich erwies sich die intensivierte Betreuung in allen gemessenen Parametern als signifikant überlegen - ein treffliches Beispiel dafür, was ein gezielter Einsatz der "Ressource Fachassistenz" für die Patienten bewirken kann!
AUCH BEI RA BIETEN NURSES EINEN KLAREN ZUSATZNUTZEN …
Hochrangig publiziert in "Medicine" wurde eine chinesische Studie, in der bei 258 Patienten mit hochaktiver rheumatoider Arthritis (RA) die Auswirkungen einer - allerdings sehr aufwändigen - Nurse-unterstützten Betreuung mit der normalen Betreuung durch den Rheumatologen über 2 1/2 Jahre verglichen wurde. (2) Normale Betreuung durch den Rheumatologen bedeutete 20 Minuten Kontakt alle drei Monate, Nurses investierten ebenfalls alle drei Monate 30 Minuten-Sessions über sechs Tage. Nicht unerwartet führte die Nurse-gesteuerte Betreuung zu einer hohen Patientenzufriedenheit, in einer Subgruppe mit Depression führte sie darüber hinaus zu einer psychischen Stabilisierung. Insbesondere nahm der Anteil der Patienten mit hoher Krankheitsaktivität in der Nurses-Gruppe von 127 auf 18 Patienten (14 %) ab, in der Rheumatologen-Gruppe hingegen nur von 131 auf 93 Patienten (71 %). Hochsignifikant zugunsten der Nurses war auch die Entwicklung des DAS 28-CRP (Reduktion von 5,41 auf 4,81 vs. von 5,39 auf 5,12).
… UND KÖNNTEN TROTZ HÖHEREN AUFWANDS KOSTEN SPAREN
Trotz des in der Regel höheren Aufwands muss eine Nurse-basierte Betreuung bei Berechnung der Gesamtkosten nicht kostenintensiver sein. (3) In einer kanadischen Untersuchung mit 244 RA-Patienten führte diese Betreuung zu besseren Ergebnissen (z. B. weniger Hospitalisationen), verhielt sich jedoch bei Berechnung der Gesamtkosten für die medizinische Betreuung kostenneutral. Im Gegenteil: Rechnete man die Kosten für Medikamente hinzu, so verursachte die Betreuung durch Rheumatologen deutlich höhere Kosten, da mehr Biologika eingesetzt wurden (im Schnitt 9.191 vs. 3.056 kanadische Dollar). Vielleicht ein Fingerzeig für den Rheumatologen als Arbeitgeber: Ein gezielter Einsatz der Fachassistenz für patientenzugewandte Tätigkeiten verbessert vielleicht sogar nicht nur die Patientenzufriedenheit, sondern könnte sich als kostengünstig erweisen.
Praxiszentrum St. Bonifatius
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