Eine unserer häufigsten entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, im höheren Alter möglicherweise sogar die häufigste, ist die Polymyalgia rheumatica (PMR), die allerdings nach neuesten Untersuchungen allmählich in den Hausarztbereich verlagert wird. Ein Grund dafür ist vermutlich, dass Hausärzte für die akut kranken PMR-Patienten keinen adäquat schnellen Termin bei Rheumatologinnen und Rheumatologen bekommen und dann lieber die Behandlung und weitere Betreuung gleich selbst übernehmen – nicht selten mit problematischen Folgen für die Betroffenen.
In einer auf Versicherungsdaten beruhenden Untersuchung über vier Jahre mit im Durchschnitt 16.125 PMR-Patienten pro Jahr wurde ermittelt, dass die PMR nur noch in 11 % der Fälle von Rheumatologinnen und Rheuma-tologen diagnostiziert wird, und nur 21 % der Patienten zumindest im weiteren Verlauf noch von Rheumatologinnen und Rheumatologen gesehen werden. Zu den Folgen dieser Entwicklung zählen die Verwendung zu hoher Glukokortikoid (GK)-Start- und Dauerdosen bei den sehr häufig multimorbiden älteren Patienten, die sehr häufig Komorbiditäten wie Hypertonie (76 %), Diabetes (30 %), Osteoporose (27 %), KHK (23 %) und Katarakt (24 %) aufweisen, welche einen unmittelbaren Bezug zu GK-Langzeitrisiken aufweisen. Wir verfügen heute bei der PMR über gute DMARD-Therapien wie Sarilumab oder Methotrexat (MTX), mit denen der GK-Bedarf massiv reduziert werden kann. Im hausärztlichen Bereich wurde diese Möglichkeit aber nur in einer Minderheit von Fällen genutzt. (1)
Nur sehr wenige Beiträge beim kürzlich in Chicago abgehaltenen US-amerikanischen Rheumatologie-Kongress hatten die Arbeit der Nurses/Fachassistentinnen zum Inhalt. Dennoch gab es viele Beiträge von großem allgemeinem Interesse. Da viele Patienten in der rheumatologischen Praxis nach dem Nutzen von ayurvedischer Medizin für Krankheiten wie die RA fragen, sei hier ein interessanter indischer Beitrag hervorgehoben: In einer randomisiert-kontrollierten Studie über 20 Wochen wurde bei laufender MTX-Therapie die Kombination mit einer definierten Ayurveda-Formulation mit Placebo verglichen und bot in der Tat eine Reihe signifikanter Vorteile, so z. B. eine Remissionsrate von 49,2 vs. 33,8 % und ein ACR50-Ansprechen von 81,5 vs. 60,0 %. Ob solche Erfolge nur bei indischen oder auch bei deutschen Patienten erzielt werden können, müsste jedoch in einer hierzulande durchgeführten Studie überprüft werden. (3)
Und bei dieser Gelegenheit muss noch eine Anmerkung erfolgen: Vorsicht mit aus Indien mitgebrachten Ayurveda-Pulvern und -Extrakten. Diese enthalten häufig eine massive und toxische Menge an Schwermetallen, was in Einzelfällen zu akutem Leberversagen geführt hat. Wenn Versuche mit Ayurveda, dann sollten in Deutschland untersuchte und zertifizierte Präparate verwendet werden!