Ende Oktober vergangenen Jahres war die „Windy City“ Chicago Gastgeber des ACR-Kongresses 2025. Auf dem US-amerikanischen Pendant zur EULAR-Tagung wurden viele neue Studiendaten und Erkenntnisse geboten, im Gegensatz zum Vorjahr diesmal auch hochrelevante Phase-II oder -III-Studien, die entweder perspektivisch oder auch recht bald in Neuzulassungen münden könnten. Ein großer Fokus lag auf den CAR-T-Zelltherapien bei den Kollagenosen, auf die hier aber nicht eingegangen werden soll – zu viel ist hier noch im Fluss.
Lange Zeit herrschte bei der rheumatoiden Arthritis (RA) Ebbe bezüglich potenziell neuer Therapieoptionen, obwohl Alternativen zu Biologika oder JAK-Inhibitoren durchaus von Interesse wären. Sehr positiv stimmende Daten aus einer Phase-II-Studie wurden in Chicago zu dem am Programmed Cell Death-Liganden (PD-L)-1 ansetzenden Rosnilimab vorgestellt. Die Wirksamkeit bewegte sich mindestens auf einem mit den JAK-Hemmern vergleichbarem Niveau: Nach 28 Wochen erreichten in der Phase-IIb-Studie RENOIR unter der höchsten Dosis (600 mg alle 2 Wochen) 58 bzw. 45 % der Teilnehmenden ein ACR50/70-Ansprechen und 63 % eine niedrige Krankheitsaktivität im CDAI. Interessant ist, dass in bis zu 80 % der Fälle das erreichte Ansprechen über eine 12-wöchige Rosnilimab-freie Nachbeobachtung hinweg aufrechterhalten werden konnte. Es wurden keine Todesfälle, Malignome oder zum Studienabbruch führende schwere Infektionen gemeldet, die Verträglichkeit war bislang gut. Eine Phase-III-Studie wurde bislang aber noch nicht angekündigt.
In Chicago noch nicht präsentiert, aber bereits vorab gemeldet wurden Top Line-Resultate der Phase-IIIb/IV-Studie SELECT-SWITCH mit (nach TNF-Inhibitor-Versagen/-Intoleranz) dem Head-to-head (H2H)-Vergleich einer Zyklisierung mit Adalimumab oder dem Wechsel auf Upadacitinib: Nach 12 Wochen erreichten unter Upadacitinib mehr Teilnehmende eine niedrige Krankheitsaktivität (primärer Endpunkt DAS28-CRP ≤3,2: 43,3 vs. 22,4 %) und Remission (DAS28-CRP <2,6: 28,4 vs. 14,5 %) – Details sind beim EULAR zu erwarten.
Highlight in Sachen axiale Spondyloarthritis (axSpA) war die Präsentation der neuen ASAS/SPARTAN-Klassifikations-kriterien, die künftig der Bildgebung noch mehr Gewicht einräumen. Mit dem Ziel einer Spezifität von ≥ 90 % und einer Sensitivität von ≥75 % wurden Daten von 1.015 Patientinnen und Patienten mit ≥3 Monaten Rückenschmerz und Auftreten vor dem 45. Lebensjahr analysiert, von denen 36,4 % eine axSpA hatten. Das Ergebnis ist ein gewichteter Score mit einem Cut-off von 11 Punkten, wobei das positive MRT 8 Punkte, positive Röntgenaufnahmen 7 Punkte, positives HLA-B27 4 Punkte und inflammatorischer Rückenschmerz 3 Punkte zählen sowie erhöhtes CRP, periphere Arthritis, Enthesitis (Ferse), Psoriasis, chronisch-entzündliche Darmerkrankung und anteriore Uveitis je 1 Punkt.
Bereits vor dem Kongress wurde gemeldet, dass die Phase-III-Studie OLINGUITO zum JAK-1-Inhibitor Filgotinib ihren primären Endpunkt (sowohl bei der nicht-röntgenologischen wie auch röntgenologischen Form) erreichte, die Daten sind spätestens beim EULAR 2026 in London zu erwarten, eine Zu-lassung vermutlich noch im Lauf des Jahres. Von unmittelbarer Relevanz sind die Ergebnisse der RoC-SpA-Studie: Nach Versagen einer Erstlinientherapie mit einem TNF-Hemmer boten ein zweiter TNF-Inhibitor oder der Wechsel auf einen IL-17-Hemmer eine ähnliche Wirksamkeit mit leichten Vorteilen für den „Switch“, dies vor allem bei primärem Nichtansprechen, HLA-B27-Negativität, Psoriasis oder niedrigem CRP.
Bei Psoriasis-Arthritis (PsA) wurden insbesondere weitere Phase-III-Daten aus POETYK PsA-1 (52 Wochen) zum oralen Tyrosinkinase (TYK)-2-Inhibitor Deucravactinib vorgestellt – von einer Zulassung ist auszugehen. Obwohl zunächst bei kutaner Psoriasis zugelassen, dürfte die Wirksamkeit auf die Haut nicht ganz an jene von Biologika (Anti-IL-17 oder -IL-23) heranreichen, jedoch scheint die Verträglichkeit sehr gut zu sein, sodass ein Einsatz vor allem bei eher moderater Krankheitsaktivität noch vor Biologika denkbar erscheint. Eine Reihe weiterer, oral einzunehmender Substanzen (so z. B. mit Tasoscitinib ein weiterer TYK-2-Hemmer oder der IL-17A/F-Nanokörper Sonelokimab) befinden sich
in Phase-III-Studien.
Die Auswahl bei PsA wird damit noch komplexer und H2H-Studien umso wichtiger. Eine solche war die deutsche AgAIN-Studie mit dem direkten Vergleich von Secukinumab und Ustekinumab. Sie ergab nicht ganz unerwartet Vorteile für den IL-17A-Inhibitor. Bestätigt wurde eine negative Assoziation von Adipositas und PsA sowie dem Therapieansprechen. Glucagon-like Peptide (GLP)-1-Rezeptoragonisten könnten hier wohl nicht nur bei PsA und auch jenseits der Gewichtsreduktion (z. B. in puncto Schmerz und Entzündung) Vorteile bieten.
Während sich die Neuigkeiten bei den ANCA-assoziierten Vaskulitiden in Grenzen hielten (erste Versuche mit CAR-T-Zellen bei therapierefraktären Fällen sind hier spannend), stand erneut die Riesenzellarteriitis (RZA) im Fokus. Nach dem IL-6-Rezeptorinhibtor Tocilizumab ist Upadacitinib die zweite für die RZA zugelassene steroidsparende Therapie. In Chicago wurden die 2-Jahres-Daten der Phase-III SELECT-GCA-Studie vorgestellt. Bei nach Monat 12 fortgeführter Upadacitinib 15 mg-Therapie blieben 69 % der Teilnehmenden bis Monat 24 in anhaltender Remission, verglichen mit nur 29 % jener, die auf Placebo wechselten. Wie bei Tocilizumab wird also in der Regel eine längerfristige Therapie erforderlich sein. Positiv war aber, dass in diesem älteren Kollektiv auch über zwei Jahre keine Sicherheitssignale im Hinblick auf Malignitäten oder schweren kardiovaskulären Ereignissen erkennbar waren. Keine Option bei RZA wird nach dem doch überraschenden Scheitern der Phase-III-Studie GCAptAIN Secukinumab, bislang liegt hierzu aber nur eine Vorabmeldung vor.
Auch Polymyalgia rheumatica (PMR) wurde Secukinumab in Phase-III, der REPLENISH-Studie, geprüft – hier aber laut Vorabmeldung mit positivem Ergebnis. Näheres wird man sicher auf der EULAR-Tagung erfahren, eine Alternative zur IL-6-Rezeptorinhinition wäre sicher willkommen. Bei der PMR formal zugelassen ist nur Sarilumab, in einer aktuellen Studie wies Tocilizumab im direkten Vergleich zu Methotrexat bei PMR zwar durchaus Vorteile in puncto Remission und Steroideinsparung auf, der Unterschied war aber gering.
Auch jenseits von CAR-T-Zellen und BiTE-Antikörpern waren die Kollagenosen sicher das spannendste Feld. Das große Highlight waren hier erstmals positive Phase-III-Studien bei der Sjögren-Erkrankung (SjE). Größter Hoffnungsträger ist derzeit der B-Zell-depletierende BAFF-Rezeptor-Inhibitor Ianalumab, der in den beiden Phase-III-Studien NEPTUNUS-1 und -2 den primären Endpunkt (die Reduktion der Krankheitsaktivität gemäß dem ESSDAI-Score nach 48 Wochen) erreichte, wenn auch aufgrund des sehr hohen Placebo-Ansprechens eher knapp – etwas deutlich war es in einer gepoolten Analyse. Bei den Teilnehmenden, die zu Beginn noch einen relevanten Speicheldrüsenfluss >0,4 ml/min aufwiesen, stieg dieser im Verlauf signifikant an. Zudem erwies sich Ianalumab als erstaunlich sicher, eine Zulassung (es wäre die erste bei SjE) könnte also in Reichweite sein. Noch weiter davon entfernt ist trotz einer positiven chinesischen Phase-III-Studie der gegen BLyS und APRIL gerichtete Antikörper Telitacicept, die Ergebnisse (wiederum der ESSDAI-Score) waren zwar hoch signifikant, dies jedoch bei überraschend niedrigem Placebo-Ansprechen. Das auch bei Myositis effektive Efgartigimod richtet sich gegen den neonatalen Fc-Rezeptor (FcRn) und kann zumindest schon eine erfolgreiche Phase-II-Studie bei SjE vorweisen.
Ianalumab und auch Telitacicept sind ebenfalls heiße Kandidaten bei systemischem Lupus erythematodes (SLE) und Lupus-Nephritis und werden derzeit in Phase-III-Studien geprüft. Dasselbe gilt (zumindest für SLE) auch für den CD40-Ligand-Antikörper Dapirolizumab Pegol und Upadacitinib. Von direktem praktischen Nutzen beim SLE ist die Zulassung von Anifrolumab jetzt auch als subkutane Applikation, die sich in der in Chicago präsentierten Phase-III-Studie TULIP-SC bewährte. Basis beim SLE ist Hydroxychloroquin (HCQ), bei dem es gilt, die richtige Balance (empfohlen sind 5 mg/kg KG) zwischen Schub- und Retinopathie-Risiko zu treffen. Trotz höheren Aufwands scheint die HCQ-Spiegelbestimmung sinnvoll zu sein. Neuere Daten einer großen Beobachtungsstudie sprechen für Sollspiegel zwischen 750 und 1.150 ng/ml. Darüber ist die Toxizität fast verdoppelt, darunter die Schubrate um 40 % erhöht. Auch bei einer Solldosis von 5 mg/kg war die Hälfte im subtherapeutischen Bereich.