Startseite Wissen Kongresse Rückblick auf die 13. Fortbildungsveranstaltung in Berlin

Fachverband Rheumatologische Fachassistenz

Rückblick auf die 13. Fortbildungsveranstaltung in Berlin

Am 26. April 2024 waren zahlreiche rheumatologische Fachkräfte der Einladung des Fachverbandes Rheumatologische Fachassistenz e. V. gefolgt, um der Fortbildungsveranstaltung im Rahmen des 19. BDRh-Kongresses in Berlin beizuwohnen.

In gewohnter Weise gab es ein bunt gemischtes und praxisnahes Programm, die Referentinnen und Referenten konnten sich an einem aufmerksamen und wertschätzenden Publikum erfreuen, der Raum war fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Nachfolgend erhalten Sie einen kurzen inhaltlichen Überblick, welche Themen auf dem diesjährigen Programm standen.

BYE BYE BROSCHÜRE, HALLO DIRHIS

Zu Beginn wurde DiRhIS (Digitales Rheumatologisches InformationsSystem) vorgestellt, ein Projekt, welches die medicstream GmbH, vertreten durch Herrn Bernd Ganser, Hürth, in Kooperation mit dem BDRh, der BDRh Service GmbH und weiteren Partnern realisiert sowie mit grundlegendem Inhalt zusammenstellt. In DiRhIS befinden sich, wie in einer Bibliothek, digitale Informationen, die individuell je Patienten arrangiert und gezielt weitergegeben werden können. Es zielt darauf ab, die Informationsversorgung von Patienten mit rheumatischen Erkrankungen zu verbessern und sie in die Behandlungsprozesse aktiv mit einzubeziehen. Durch die maßgeschneiderten Informationspakete können sie sich besser über ihre Erkrankung, die Therapiemöglichkeiten und den Umgang mit der Krankheit informieren. Dies kann zu einer besseren Therapietreue und einer verbesserten Lebensqualität führen. Durch die enge Zusammenarbeit mit einem Expertengremium wird sichergestellt, dass die bereitgestellten Informationen auf dem neuesten Stand der Forschung und Praxis sind. Die Plattform wird kontinuierlich aktualisiert und erweitert, um den Bedürfnissen von Patienten und Behandelnden gerecht zu werden. Insgesamt bietet DiRhIS eine innovative, umweltbewusste und zeitgemäße Möglichkeit, die Kommunikation und Informationsversorgung in der Rheumatologie zu verbessern und die Zusammenarbeit zwischen Patienten und dem Praxisteam zu stärken.

CHAT GPT – WAS MUSS DIE MFA/RFA WISSEN?

Ein weiterer zukunftsweisender Vortrag von Prof. Dr. Gerd Rüdiger Burmester, Berlin, zeigte auf, was durch die Digitalisierung schon alles möglich ist, welches noch die Schwachstellen sind und was uns in Zukunft erwartet. ChatGPT ist ein fortschrittliches Sprachmodell, das auf eine riesige Menge an Trainingsdaten zurückgreift und in der Kombination mit KI u. a. Fragen beantwortet, Texte wie ein Lektor bearbeitet, Bilder analysiert, interpretiert und sogar nur durch die Eingabe von Worten unterschiedliche Bilder entstehen lässt. Dosiert mag es eine Unterstützung sein, dennoch ist ein waches Auge, ein umfassendes Allgemeinwissen, Fachwissen, einfach der Mensch zwingend notwendig und nicht 1 : 1 zu ersetzen. Des Weiteren sind im Umgang, gerade mit kranken Menschen, Einfühlungsvermögen, Empathie und Vertrauen wichtige Schlüsselfunktionen. Es bleibt spannend, wer zukünftig die Bildgebung befundet, Anträge stellt und Arztbriefe schreibt.

EIGENTLICH SAH ES NACH RHEUMA AUS …

Zur Sensibilisierung bezüglich der Diagnosestellung rief Dr. Anna Buck. Osnabrück, auf. Nicht immer ist alles eindeutig und es Bedarf fast schon detektivischer Fähigkeiten, Kombinationsgabe und dem berühmten Blick über den Tellerrand. Die Rede ist von einer „Paraneoplasie“, die auch zu Gelenk- und Muskelschmerzen führen kann, die sich ähnlich wie bei rheumatischen Erkrankungen manifestieren können. Dabei bezieht sich Paraneoplasie auf eine Gruppe von Erkrankungen, die als Folge von Krebserkrankungen auftreten können, jedoch nicht direkt durch den Tumor oder Metastasen verursacht werden. Stattdessen entstehen sie durch immunologische, metabolische oder hormonelle Veränderungen, die durch den Krebs im Körper ausgelöst werden. Es ist wichtig, Paraneoplasien frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

VITAMIN D – LIFESTYLE-MEDIKAMENT ODER NOTWENDIGKEIT

Vitamin D ist wichtig für die Gesundheit von Menschen jeden Alters. Es spielt eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung eines gesunden Knochenstoffwechsels, da es die Aufnahme von Kalzium und Phosphor im Darm fördert. Ein Mangel an Vitamin D kann zu Knochenkrankheiten wie Osteoporose oder Rachitis führen, erläuterte Dr. Burkhard Muche, Berlin, in seinem Vortrag. Darüber hinaus hat Vitamin D auch Auswirkungen auf das Immunsystem, die Muskelfunktion und die Regulation von Entzündungsprozessen im Körper. Es wird empfohlen, regelmäßig Sonnenlicht zu tanken, da die Haut unter Einwirkung von UVB-Strahlen Vitamin D produziert. Vitamin D-Mangel ist durch Ernährung relativ wenig beeinflussbar und sollte daher nach ärztlicher Anweisung supplementiert werden. Hierbei ist eine jährliche Einzeldosis von 500.000 IE nicht zu empfehlen, denn das erhöht das Sturz- und Frakturrisiko älterer Frauen (JAMA 2010; 303; 1815-1822). Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt, dass die tägliche Einnahme von 20 mg (800 IE) Vitamin D ohne Sonnenexposition für die meisten Menschen ausreicht, um den physiologischen Bedarf zur Erhaltung der Knochengesundheit zu decken. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass der individuelle Bedarf an Vitamin D je nach Lebensstil, Hauttyp, geografischer Lage und Erkrankungen variieren kann.

DIFFERENZIERUNG GICHT, CPPD UND OSTEOARTHRITIS

Gicht, CPPD (Kalziumpyrophosphat-Dihydrat-Kristallablagerungskrankheit) und Osteoarthritis sind drei verschiedene Erkrankungen, die sich alle auf unterschiedliche Weise auf die Gelenke auswirken, wie PD Dr. Anne Kathrin Tausche, Dresden, darlegte. Gicht ist eine entzündliche Gelenkerkrankung, die durch die Ablagerung von Harnsäurekristallen in den Gelenken verursacht wird. Dies führt zu plötzlichen und starken Schmerzen, Schwellungen und Rötungen in den betroffenen Gelenken, häufig zunächst im Großzehengrundgelenk. Gicht tritt auf, wenn der Körper zu viel Harnsäure produziert oder nicht ausreichend ausscheidet. Eine Behandlung umfasst die Vermeidung von purinreichen Lebensmitteln und die Einnahme von Medikamenten zur Senkung des Harnsäurespiegels.

Bei CPPD lagern sich Kalziumpyrophosphat-Dihydrat-Kristalle in den Gelenken ab. Dies kann zu Schmerzen, Schwellungen und Entzündungen führen, die ähnlich wie bei Gicht auftreten können. CPPD tritt häufiger im Alter auf und kann mit Osteoarthritis oder anderen Gelenkerkrankungen verwechselt werden. Die Behandlung von CPPD zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und Entzündungen zu reduzieren. Osteoarthritis ist eine degenerative Gelenkerkrankung, die durch den Abbau von Knorpelgewebe in den Gelenken verursacht wird. Dies führt zu Schmerzen, Steifheit und eingeschränkter Beweglichkeit der betroffenen Gelenke. Osteoarthritis tritt häufig im Alter auf und kann durch Faktoren wie Übergewicht, Verletzungen oder genetische Veranlagung beeinflusst werden. Die Behandlung von Osteoarthritis umfasst Schmerzlinderung, Physiotherapie, Gewichtsmanagement und in einigen Fällen auch chirurgische Eingriffe wie Gelenkersatzoperationen. 

RESILIENZ IN ALLER MUNDE – CHANCE ZUR WEITERENTWICKLUNG

Resilienz ist ein Begriff, der in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat. Er beschreibt laut der Psychologin Ines van der Heusen, Berlin, die Fähigkeit, schwierige Situationen und Krisen zu bewältigen und gestärkt daraus hervorzugehen. In einer Welt, die von ständigem Wandel und Unsicherheit geprägt ist, wird Resilienz zu einer wichtigen Eigenschaft. Resilienz kann trainiert und weiterentwickelt werden, indem man sich mit seinen eigenen Stärken und Schwächen auseinandersetzt, seine Emotionen und Gedanken reflektiert und Strategien zur Stressbewältigung entwickelt. Auch der Aufbau eines starken sozialen Netzwerks und die Pflege von Beziehungen können dazu beitragen, resilienter zu werden. Die Fähigkeit zur Resilienz bietet die Chance zur persönlichen Weiterentwicklung. Indem man lernt, mit Herausforderungen umzugehen und aus Rückschlägen zu lernen, kann man seine Selbstwirksamkeit steigern und ein positives Selbstbild aufbauen. In einer Zeit, in der die Anforderungen an uns stetig steigen und die Belastungen zunehmen, ist es wichtig, seine Resilienz zu stärken. Indem man sich mit diesem Thema auseinandersetzt und an seiner persönlichen Entwicklung arbeitet, kann man gestärkt aus Krisen hervorgehen und seine Lebensqualität nachhaltig verbessern. Kleine Stellschrauben können viel bewegen, das ist für uns als Praxisteam sowie für unsere Patienten bedeutsam und wichtig.

ULRIKE ERSTLING, 1. Vorsitzende
PATRICIA STEFFENS-KORBANKA, 2. Vorsitzende
Fachverband Rheumatologische Fachassistenz e.V.
Geschäftsstelle: c/o Ulrike Erstling
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