Fatigue stellt ein großes Problem im Management von rheumatischen Erkrankungen dar, das auch für die RFA von Interesse ist. Auf Basis von Daten der Kerndokumentation von 2007 bis 2023 untersuchte ein Team um Katja Thiele, Berlin, die Fatigue-Verlaufsmuster in den letzten 17 Jahren sowie deren Assoziation mit von Ärzten und Patienten berichteten Outcomes und sozialen Faktoren.
In die Analyse wurden Daten von ca. 9.300 Patienten pro Jahr einbezogen, darunter solche mit Arthritis, Spondyloarthritiden, Kollagenosen und Vaskulitiden. Fatigue wurde auf einer numerischen Ratingskala (0–10) erfasst, wobei Werte >2 als vorhanden und >6 als schwerwiegend definiert wurden. Auftreten und Schweregrad wurden nach Diagnose, Geschlecht und Jahr verglichen. Fatigue-Cluster wurden anhand von Verlaufsmustern über drei aufeinanderfolgende Besuche identifiziert.
Fatigue betraf 55 % (adulte Still-Krankheit) bis 67 % (systemische Sklerose) der Patienten, wobei bis zu 26 % (systemische Sklerose) unter schwerer Fatigue litten. Ein erheblicher Anteil von Frauen (47–61 %) und Männern (35–52 %) berichtete moderate bis schwere Fatigue. Trotz deutlicher klinischer Verbesserungen (CRP -40 %, druckschmerzhafte Gelenke -50 %, ärztlich bewertete Krankheitsaktivität -42 %) und einem Anstieg der Erwerbstätigkeit (von 52 auf 70 %) blieb die mittlere Fatigue stabil. Im Verlauf wiesen 35 % der Betroffenen eine dauerhaft niedrige, 23 % eine dauerhaft hohe, 24 % eine zunehmende und 19 % eine abnehmende Fatigue auf. Druckschmerzhafte Gelenke und Morgensteifigkeit unterschieden am besten zwischen den Clustern mit dauerhaft hohen oder geringen Beschwerden. Emotionales Wohlbefinden, körperliche Funktion, Bewältigungsstrategien und Schlafqualität zeigten eine stärkere Assoziation mit den Fatigue-Verläufen als Entzündungsmarker. Die Unterschiede zwischen den Clustern waren deutlich größer als die zwischen den einzelnen Diagnosen.
Fatigue betraf zahlreiche Frauen und Männer, unabhängig von der Diagnose. Die Verläufe spiegeln ein komplexes Zusammenspiel klinischer und psychosozialer Faktoren wider. Das Management sollte im Einklang mit den EULAR-Empfehlungen 2023 multidimensionale Interventionen beinhalten, die emotionales Wohlbefinden, körperliche Funktion und soziale Unterstützung adressieren – über die reine Entzündungskontrolle hinaus.