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Steckbrief

Neue Therapien im Jahr 2026

In diesem Jahr müssen sich RFAs mit mehreren neuen Medikamenten vertraut machen, die entweder schon zugelassen wurden, oder deren Zulassung unmittelbar bevor steht. In allen Fällen handelt es sich um Indikationserweiterungen. Kurz vorgestellt seien an dieser Stelle der orale Tyrosinkinase (TYK)-2-Inhibitor Deucravacitinib bei Psoriasis-Arthritis (PsA), der Anti-CD20-Antikörper Obinutuzumab bei Lupusnephritis (LN) und der Anti-CD19-Antikörper Inebilizumab bei Immunglobulin G4-assoziierten Erkrankungen (IgG4-RD).

DEUCRAVACITINIB

Bei Deuravacitinib handelt es sich um den ersten Vertreter der TYK-2-Inhibitoren in der Rheumatologie (weitere könnten folgen). Bereits zugelassen ist dieser bei mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis bei Erwachsenen eingesetzt wird, die für eine systemische Therapie infrage kommen. Die zu erwartende Zulassung bei aktiver PsA beruht auf den beiden Phase-III-Studien POETYK-PsA-1 und -2 – bislang liegen Daten über 52 Wochen vor. Im Gegensatz zu Januskinase (JAK)-Inhibitoren, die mehrere JAK-Enzyme blockieren, bindet Deucravacitinib selektiv an die regulatorische Domäne des TYK-2-Enzyms, wodurch dessen Aktivität allosterisch gehemmt wird. TYK-2 spielt eine Schlüsselrolle bei der Signalübertragung von Zytokinen wie Interleukin (IL)-23, IL-12 und Typ-I-Interferonen, die an Entzündungsprozessen bei Psoriasis und PsA beteiligt sind.

 

 

Deucravacitinib ist als 6 mg-Filmtablette zur einmal täglichen oralen Einnahme verfügbar – dies unabhängig von den Mahlzeiten. Die Tabletten sollten im Ganzen geschluckt werden. Wenn nach sechs Monaten keine ausreichende Besserung eintritt, sollte ein Abbruch der Therapie bzw. Therapiewechsel in Erwägung gezogen werden. Die häufigste Nebenwirkung sind Infektionen der oberen Atemwege (z. B. Nasopharyngitis). Die Behandlung sollte nicht bei Patienten mit klinisch bedeutsamen aktiven Infektionen (z. B. aktiver Tuberkulose) begonnen werden. Vor Therapiebeginn ist ein Tb-Screening erforderlich. Während der Behandlung mit Deucravacitinib dürfen keine Impfungen mit Lebendimpfstoffen durchgeführt werden. Aus Vorsichtsgründen sollte die Anwendung während der Schwangerschaft und Stillzeit vermieden werden, da keine ausreich-enden Daten zur Sicherheit vorliegen.

Wo sich der Wirkstoff in künftigen PsA-Leitlinien einsortieren wird, bleibt abzuwarten. Auf den ersten Blick scheint es (im schwierigen Quervergleich von Phase-III-Studien) zumindest in puncto Hautbeschwerden (PASI-Ansprechen) trotz guter Wirksamkeit nicht an die Effekte von IL-23- oder IL-17-Inhibitoren heranzureichen. Das bislang gute Sicherheitsprofil, die gute Verträglichkeit und orale Einnahme lassen an einen Einsatz bei eher mäßig schwerer PsA vor Biologika denken. Weitere (Langzeit-)Daten bleiben hier noch abzuwarten. 

OBINUTUZUMAB

Das gerne als Rituximab 2.0 beschriebene Obinutuzumab ist ein humanisierter monoklonaler Anti-CD20-Antikörper, der B-Lymphozyten zerstört und im Vergleich zu Rituximab eine höhere Effektivität bei der B-Zell-Depletion sowie der Induktion von Zelltod aufweist und derzeit in einer ganzen Reihe von Indikationen, auch in der Rheumatologie, geprüft wird, so z. B. bei systemischem Lupus erythematodes (vorab wurden bereits positive Phase-III-Daten vermeldet, mehr dazu ist auf dem EULAR 2026 zu erwarten). Bereits zugelassen ist und eingesetzt wird Obinutuzumab als intravenöse Infusion zur Erstbehandlung der chronisch lymphatischer Leukämie (CLL) bei Patienten, die aufgrund anderer Erkrankungen nicht für eine Fludarabin-Therapie geeignet sind, bei follikulärem Lymphom (FL) zur Erstbehandlung oder bei rezidivierendem bzw. therapierefraktärem FL sowie auch zur Behandlung von rezidivierenden oder therapieresistenten Non-Hodgkin-Lymphomen (NHL). Obinutuzumab wird häufig in Kombination mit anderen Medikamenten wie Chemotherapie oder Venetoclax verabreicht, um die Effektivität zu verstärken. Häufige Nebenwirkungen können Atemwegsinfektionen, Husten, Durchfall, Verstopfung, Gelenkschmerzen, Schwäche, Fieber und Veränderungen der Blutwerte wie Neutropenie, Thrombozytopenie oder Anämie sein. Infusionsbedingte Reaktionen müssen bei Patienten mit einer Neigung zu allergischen Reaktionen besonders berücksichtigt werden.

Die Zulassung in Kombination mit Mycophenolat Mofetil (MMF) zur Therapie erwachsener Patienten mit aktiver Klasse III oder IV LN, mit oder ohne begleitende Klasse V, beruht auf der Phase-III-Studie REGENCY, die gute Wirksamkeit führte bereits vor der Zulassung zur Aufnahme von Obinutuzumab in die neue EULAR-Leitlinie zur LN aus 2025, nicht nur als Induktions- sondern auch als Erhaltungstherapie nach renalem Ansprechen (obwohl für letzteres streng genommen noch die Daten fehlen).

INEBILIZUMAB

Obwohl RFAs in der niedergelassenen Praxis eher selten auf Patienten mit IgG4-RD treffen werden, sei kurz auf Inebilizumab hingewiesen. Der humanisierte monoklonale Anti-CD19-Antikörper ist zugelassen und wird eingesetzt bei Erwachsenen mit Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen (NMOSD), die Antikörper gegen Aquaporin-4 (AQP4-IgG) haben. Er wirkt, indem er an das Oberflächenprotein CD19 auf B-Zellen bindet, was zur Depletion dieser Zellen führt. Diese gezielte Reduktion der B-Zellen unterdrückt die Entzündungsreaktion und kann so die Häufigkeit von Schüben z. B. bei NMOSD verringern. Neue Anwendungsgebiete sind neben Myasthenia gravis auch IgG4-RD. Die Verabreichung erfolgt intravenös mit zwei Infusionen im Abstand von zwei Wochen, gefolgt von einer Auffrischung alle sechs Monate. Die häufigste und schwerwiegendste Nebenwirkung sind Infektionen.

IgG4-RD können zwar meist mit Glukokortikoiden gut beherrscht werden, jedoch kommt es beim Ausschleichen häufig zu Rezidiven und für begleitende Immunsuppressiva wie z. B. Methotrexat, Azathioprin, MMF oder Rituximab fehlt es an Studiendaten. In der Phase-III-Studie MITIGATE wurde für Inebilizumab eine deutliche Reduktion des Rezidivrisikos, von Schüben und der GK-Exposition demonstriert, sodass es trotz hoher Behandlungskosten als einzige formal zugelassene Therapie in dieser Indikation gesetzt sein dürfte.

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